Deutsches Hutmuseum // Impressionen

Deutsches Hutmuseum Lindenberg


 
  Seit Dezember 2014 hat das Deutsche Hutmuseum Lindenberg geöffnet. Mitten im beschaulichen Westallgäu, das man mit grünen Hügeln und grasenden Kühen verbindet, steht nun ein Museum zur deutschen Industrie- und Modegeschichte.

Denn in Lindenberg gab es bis in die 1990er Jahre kaum eine Familie, die nicht mit der Hutherstellung verbunden war. Die Entwicklung von der Heimarbeit zur Hutindustrie ist nach wie vor identitätsstiftend für die Region und prägte das Stadtbild Lindenbergs. Diese außergewöhnliche Geschichte findet nun ihren Platz im Deutschen Hutmuseum. Authentischer Ausstellungort ist das letzte Fabrikgebäude der ehemaligen Hutfabrik Ottmar Reich. Das denkmalgeschützte Industriegebäude ist das größte historische Exponat und wurde behutsam saniert und neu erschlossen um den Besuchern einen barrierearmen Zugang zu gewähren. Das markante, viergeschossige Hauptgebäude mit Satteldach, Bacl(steinschornstein und Kesselhaus ist, unter Wahrung der historischen Substanz, zu einer Ku/turfabrik mit neuer städtebaulicher Erschließung umgebaut worden. Im Innenraum bleibt der Charakter des Industriebaus mit seiner Geschichte erlebbar. Als neues, prägendes Element zieht sich eine imposante Spindeltreppe durch das Hausgleichsam wie ein Hutband.

Über sie gelangt der Besucher in die beiden Ausstellungsebenen und erhält auf seinem Weg interessante Ein- und Ausblicl(e in das Restaurant im Kesselhaus, der einstigen Energiezentrale der Hutfabrik Reich. Im 1. und 2. Obergeschoss befinden sich eine Sonderausstellungsebene, ein museumspädagogischer Raum und die Verwaltungsräume. Im Dachgeschoss steht der Kulturboden für zahlreiche Veranstaltungen zur Verfügung. Neben dem Museumsempfang befindet sich auch die Tourist-Information der Stadt im Foyer. In den ehemaligen Fabrikhallen, in denen Hüte entworfen, gezogen, gepresst und garniert wurden, zeigt die neu konzipierte Dauerausstellung nun drei große Themen:

1. Die Stadt- bzw. Hutgeschichte Lindenbergs
2. Die Herstellung von Stroh- und Filzhüten       
3. Die Hutmode der letzten 300 Jahre                



Knapp 1000 qm stehen dem Museum dazu zur Verfügung. Die Sammlung umfasst über 1800 Hüte, die die modische Entwicl(lung des Hutes sowohl regional als auch international zeigen. Dazu kommen Werkzeuge aus dem Hutmacherhandwerk und der Heimarbeit, Maschinen aus den untergangenen Hutfabriken, Hutformen aus Holz, Gips und Aluminium, Hutmodelle, Entwurfszeichnungen, Filz- und Haarstumpen, Accessoires, Fotos und Strohgeflechte aus aller Welt. In beiden Dauerausstellungsebenen sind jeweils chronologisch um eine zentrale Installation Themeninseln bzw. Vitrinen angeordnet, die von allen Seiten betrachtet werden können. Den Mittelpunkt der ersten Ausstellungsebene bildet das Fabrikationsregal: ein gläserner, begehbarer Kubus, der die technischen Herstellungsabläufe der Hutfabrikation verdeutlicht. Hier zeigen wir wie ein Strohhut aus Borten genäht wird oder am Stück geflochten und in Form gepresst wird. Außerdem sehen sie die Entstehung eines Filzhutes vom Tierhaar bis zum fertigen modischen Accessoire.

Die Wände des Fabrikationsregal sind aus "intelligentem" Glas, dessen Transparenz sich von durchsichtig zu milchig verwandeln lässt - dadurch entsteht an den Innenseiten eine raumhohe Produktionsfläche. Hier wird die Entstehung eines Hutes filmisch vor Augen geführt. Die Aufnahmen sind bei den beiden letzten Hutfabriken vor Ort entstanden. Eine Kunstinstallation zum Thema Hutmode, der Huttornado empfängt den Besucher im 4. Obergeschoss. Auf sechs dunlklen Stahlstangen wirbeln weiße Hüte in großzügigen Ellipsen vom Boden zur Decke empor. Die unterschiedlichen Nachbildungen von marlkanten Hutformen ziehen den Betrachter hinein in die abwechslungsreiche Kulturgeschichte des Hutes der letzten 300 Jahre. Dem Huttornado zugewandt zeigen großformatige Fotografien und Bilder den zeitlichen Kontext und prägen das Raumbild. Sie lassen die wechselnden Modeströmungen wieder aufleben und ergänzen die Inszenierungen und Exponate in den Vitrinen. So entsteht ein Querschnitt durch die modische Entwicklung des Hutes sowohl regional als auch des internationalen Modegeschehens des 19.,20. und 21. Jahrhunderts.


Die Kopfbedeckungen in den Vitrinen erzählen uns darüber hinaus faszinierende Geschichten über ihre Träger, deren Kultur und Gesellschaft. Sie informieren uns über Herkunft, Beruf und Familienstand, stehen für politische oder religiöse Anschauungen, zeigen Gruppenzugehörigkeit oder soziale Abgrenzungen auf. Im Deutschen Hutmuseum lotsen sie den Besucher in die Vergangenheit und tragen den jeweiligen Zeitgeist und das Lebensgefühl der Epochen mit sich. Baulich befindet sich der Huttornado genau über dem eine Ebene tiefer liegendem Fabrikationsregal. Die Hüte wirbeln also sinnbildlich direkt aus der Produktion heraus und landen in ihrer jeweiligen Zeit und auf den Köpfen der Menschen.lm Mittelpunkt unserer Erzählung stehen diese Menschen: Heimarbeiterinnen, Hutmacher, Huthändler, Hutfabrikanten und Hutträger, die über Jahrhunderte hinweg Lindenberg zum Zentrum der Hutherstellung in Deutschland machten. Die Hüte aus der Kleinstadt im Westallgäu trug man in der ganzen Welt. Um 1900 stellten die über 30 Hutfabriken in Lindenberg jährlich ca. 4 Millionen Hüte her. Der Exportschlager war der Matelot, der seinen modischen Höhepunkt in den 1920 Jahren hatte. Nicht verwunderlich also, dass Lindenberg das Zentrum der deutschen Herrenstrohhutindustrie war und "Klein-Paris" der Hutmode genannt wurde.

Die Dauerausstellung soll möglichst viele Sinne der Besucher ansprechen. Besondere Aktivbereiche und Hands-On-Stationen sind in die Ausstellung integriert, die zum Mitmachen und Experimentieren einladen. Medien- und Hörstationen ergänzen die klassische Vermittlung mittels semantisch optimierten Texten. Ein eigens dafür eingerichteter museumspädagogischer Raum bietet Platz für Workshops und spezielle Aktionen. Für Kindergärten, Schulklassen und Seniorengruppen gibt es Schwerpunktführungen, damit auf die unterschiedlichsten Interessen eingegangen werden kann. Zu den Zielgruppen gehören regionale und überregionale Besucher, Familien, Schulklassen und Touristengruppen. Im Bereich Tourismus soll nicht nur der in der Region verweilende Gast angesprochen sondern auch verstärkt um den "specific cultural tourist" geworben werden. Mitten in der bereits touristisch vermarkteten Region Allgäu Bodensee zeigt das Deutsche Hutmuseum mit moderner musealer Präsentation ein regionales, identitätsstiftendes Thema mit überregionaler Bedeutung.

© Richie Müller
 

  Weitere Informationen:

- Hausflyer des Hutmuseums
 
 

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Ziel:  Museumsplatz 1 (ehemals Hauptstr. 21), DE-88161 Lindenberg
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